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  • Apotheker Dr. Roland Vogelgesang
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Schock

  1. Schock,
    Psychologie:

    massive psychische Erschütterung durch ein plötzliches, bedrohliches Erlebnis (z. B. Unfall, Verlust eines Angehörigen), das von körperlichen Beschwerden wie Schwitzen, Schlaflosigkeit, Herzrasen oder Kollaps begleitet sein kann.

  2. Schock,
    Neurologie:

    spinaler Schock.

  3. Schock,
    Notfallmedizin:

    akut einsetzendes, lebensbedrohliches Kreislaufversagen, das infolge eines Missverhältnisses zwischen Herzzeitvolumen und Durchblutungsbedarf der Organe auftritt. Damit keine Schäden an den lebenswichtigen Organen (Gehirn, Herz, Lunge) eintreten, versucht der Körper zunächst, das noch vorhandene Blutvolumen durch eine Verengung der peripheren Blutgefäße aus der Körperperipherie (Haut, Muskeln, Fettgewebe) zu diesen Organen umzuleiten (Zentralisation). Gelingt dies nicht, kommt es neben einer Übersäuerung des Organismus zu schweren Gerinnungsstörungen (Verbrauchskoagulopathie), die zu Blutungen einer gleichzeitigen Verstopfung der kleinen und kleinsten Blutgefäße führen. Es resultieren bleibende, oft lebensbedrohliche Organschäden (akutes Leberversagen, akutes Nierenversagen, akutes Lungenversagen). Vordringlichstes Ziel der Schockbehandlung ist die sofortige Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der lebensnotwendigen Kreislauffunktion, um ein weiteres Fortschreiten zu verhindern.

    Die Einteilung der Schockformen beruht auf der das Schockgeschehen auslösenden Ursache:

    Volumenmangelschock (hypovolämischer Schock)

    Ursache: Einer Verminderung des Gesamtblutvolumens kann ein direkter Blutverlust (Blutungsschock), Eiweißverlust (z. B. bei Verbrennungen) oder Verlust von Wasser und Mineralstoffen (z. B. bei Durchfall) zugrunde liegen.

    Befund: Die Haut ist fleckig, später blassgrau und kaltschweißig. Der Betroffene ist unruhig, es kann zu Bewusstseinsstörungen, Erbrechen und unwillkürlichem Urin- und Stuhlabgang kommen. Atmung und Puls sind beschleunigt.

    Behandlung: Als Sofortmaßnahme werden die Beine des Betroffenen hochgelagert (Schocklagerung), er erhält Sauerstoff. Ist der Betroffene bewusstlos, wird er künstlich beatmet. Starke Blutungen werden durch einen Kompressionsverband oder Abbinden gestillt. Wichtig ist, die Blut- und Flüssigkeitsverluste durch Infusionen und/oder Blutübertragungen auszugleichen – zur groben Orientierung dient der Schockindex – und den Kreislauf durch Medikamente zu unterstützen. Schmerzen und Angstzustände werden medikamentös gelindert.

    Kardiogener Schock

    Ursache: Das Versagen der Pumpfunktion des Herzens (z. B. durch Herzinfarkt, Herzbeuteltamponade, Lungenembolie) führt ebenfalls zur Mangeldurchblutung der Organe.

    Befund: Der Betroffene klagt über Schmerzen im Brustkorb und Atemnot. Die Haut ist blassgrau oder bläulich verfärbt und kaltschweißig. Im schweren Schock tritt Bewusstlosigkeit ein.

    Behandlung: Der Betroffene wird mit erhöhtem Oberkörper gelagert. Er erhält Sauerstoff und Infusionen mit kreislaufunterstützenden sowie beruhigenden und schmerzstillenden Medikamenten. Die weiteren Maßnahmen richten sich nach der auslösenden Erkrankung.

    Septischer Schock (toxischer Schock)

    Ursache: Überwiegend gramnegative Bakterien und von ihnen freigesetzte Giftstoffe (Toxine) im Blut lösen das Schockgeschehen aus. Sie sind z. B. häufige Verursacher von Harnwegsinfektionen, Lungen-, Gallenblasen- und Bauchfellentzündungen. Besonders gefährdet sind Menschen mit einer Abwehrschwäche, z. B. durch Diabetes mellitus, Aids, Verbrennungen, Tumoren, nach großen Operationen oder bei Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Glukokortikoide, Zytostatika). Eine Sonderform ist das Toxinschocksyndrom (Schocksyndrom, toxisches).

    Befund: Oft besteht hohes Fieber. Der Betroffene ist unruhig und verwirrt. Die Haut ist anfangs warm und gut durchblutet, später blass, feucht und kühl. Hautblutungen (Petechien) treten als Zeichen von Blutgerinnungsstörungen auf.

    Behandlung: Neben der generellen Unterstützung des Kreislaufs durch Infusionen und Medikamente erhält der Betroffene Antibiotika zur gezielten Bekämpfung der Ursache. Evtl. muss der Infektionsherd operativ beseitigt werden.

    Anaphylaktischer Schock (allergischer Schock)

    Ursache: Durch wiederholten Kontakt mit Substanzen, auf die der Betroffene überempfindlich reagiert, kann es akut zu einer Allgemeinreaktion des Körpers mit Freisetzung von gefäßaktiven Stoffen kommen, die das Schockgeschehen auslösen. Besonders häufig tritt ein anaphylaktischer Schock nach mehrfacher Gabe bestimmter Medikamente (z. B. Antibiotika, Röntgenkontrastmittel) oder nach Insektenstichen auf.

    Befund: Es besteht starker Juckreiz mit Bildung von Quaddeln am ganzen Körper. Der Blutdruck fällt ab, bei starken Reaktionen drohen eine Kehlkopfschwellung (Glottisödem) oder eine Verkrampfung der Bronchien (Bronchospasmus) mit starker Atemnot. In schwersten Fällen kommt es zum Atem- und Herzstillstand.

    Behandlung: Besteht noch ein Kontakt mit dem Allergen (z. B. Infusion), muss dieser sofort unterbrochen werden. Der Betroffene erhält zur Kreislaufstabilisierung Adrenalin sowie antiallergische Medikamente (Antihistaminika, z. B. Tavegil®, und Kortikoide, z. B. Urbason®).

    Neurogener Schock

    Ursache: Direkte Schädigungen des Rückenmarks (spinaler Schock), aber auch andere schmerzhafte Verletzungen wie z. B. Verbrennungen können infolge einer Reflexreaktion des Nervensystems zu einer Fehlsteuerung der Kreislaufregulation und damit zum Schock führen.

    Befund: Die Haut ist blass und kaltschweißig. Der Blutdruck fällt ab, die Atmung ist flach und wie der Puls beschleunigt. Der Betroffene ist unruhig, es kommt zu Bewusstseinsstörungen.

    Behandlung: Die Stabilisierung des Kreislaufs erfolgt mittels Infusionen und kreislaufunterstützenden Medikamenten. Evtl. können auslösende Grunderkrankungen ursächlich behandelt werden.

    Hypo‐ und hyperglykämischer Schock

    Der hypoglykämische Schock ist eine Extremform der Hypoglykämie, der hyperglykämische Schock (diabetisches Koma) eine Extremform der Hyperglykämie (Diabetes mellitus).


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 08.04.2011

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